Neues Museum Berlin: der komplette Guide

Das Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel zeigt die Ägyptische Sammlung mit der Büste der Nofretete, das Museum für Vor- und Frühgeschichte und Teile der Antikensammlung — in einem Gebäude von 1843–1855, das im Krieg zur Ruine wurde und seit der Wiedereröffnung 2009 seine Narben sichtbar trägt. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen; hinein geht es über die James-Simon-Galerie. Für die Highlights brauchen Sie rund anderthalb Stunden, für einen gründlichen Rundgang drei und mehr.
Das Neue Museum an der Bodestraße 1–3 in Berlin-Mitte ist das Haus der Museumsinsel, in dem die Büste der Nofretete steht: 1843 bis 1855 von Friedrich August Stüler gebaut, im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, jahrzehntelang Ruine, ab 1997 von David Chipperfield instand gesetzt und 2009 wiedereröffnet. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, montags bleibt es zu.
Die meisten Menschen kommen wegen eines einzigen Objekts hierher und merken erst drinnen, dass sie in einem zweiten stehen. Das erklärt auch, warum viele mit falschen Erwartungen ankommen: zu wenig Zeit eingeplant, das falsche Ticket gebucht, den geschlossenen Nachbarbau übersehen.
Warum das Gebäude selbst ein Ausstellungsstück ist
Stülers Bau galt als herausragendes Dokument des Museumsbaus im 19. Jahrhundert. Der Krieg hat davon einen Teil vernichtet; die Ruine stand jahrzehntelang offen, die Planung für den Wiederaufbau begann 1985. Chipperfield hat ab 1997 einen Weg gewählt, der damals umstritten war und heute den Rundgang prägt: Die Kriegsschäden bleiben sichtbar, verlorene Räume wurden in schlichtem neuem Material ergänzt, statt das 19. Jahrhundert nachzubauen. In der Treppenhalle sehen Sie das am deutlichsten. Von den Kaulbach-Fresken, an denen führende Berliner Klassizisten gearbeitet hatten, sind nur Spuren geblieben, und man hat sie als Spuren stehen lassen.

Drei Sammlungen unter einem Dach
Im Haus liegen das Ägyptische Museum und die Papyrussammlung, das Museum für Vor- und Frühgeschichte und Teile der Antikensammlung. Das ist mehr, als es klingt: Die Vor- und Frühgeschichte deckt Kulturen vom Vorderen Orient bis zum Atlantik und von Nordafrika bis Skandinavien ab. Wer nur an Ägypten denkt, läuft am Berliner Goldhut vorbei, einem bronzezeitlichen Goldkegel voller Kreisornament-Bänder, am „Schatz des Priamos“, den Troja-Funden aus Schliemanns Umfeld, an der Krone von Kertsch mit ihren Granateinlagen, am Barbarenschatz von Neupotz und an einem Neandertaler-Schädel. Aus der Antikensammlung stehen hier unter anderem der Xantener Knabe und ein römischer Helios. Eine Liste Objekt für Objekt führen wir unter Was gibt es zu sehen.
Der Nordkuppelsaal und seine Regeln
Die Büste der Nofretete — international Nefertiti — steht im Nordkuppelsaal im zweiten Obergeschoss, allein in einem Raum, dessen grün-blaue Farbgebung ihre blaue Krone tragen soll. Sie entstand in der Amarna-Zeit unter Echnaton, etwa 1353 bis 1336 v. Chr., aus Kalkstein mit bemalter Stuckoberfläche, wurde bei den deutschen Grabungen in Amarna zwischen 1911 und 1913 gefunden und ist seit 1913 in Berlin; bis 1920 gehörte sie zur Privatsammlung James Simons, dann schenkte er sie dem Ägyptischen Museum. Zwei Regeln sollten Sie kennen, bevor Sie oben stehen: Fotografieren ist im Nordkuppelsaal untersagt und wird durchgesetzt, aus dem Nebenraum ist es erlaubt; und geführte Gruppen werden gebeten, ihre Erklärungen in die Räume davor zu verlegen. Mehr dazu unter Nofretete und Fotografieren.

Der geschlossene Nachbar und was er für Ihren Tag bedeutet
Das Pergamonmuseum ist seit dem 23. Oktober 2023 wegen Sanierung geschlossen, als Wiedereröffnungstermin ist der 4. Juni 2027 angekündigt. Das ist der Punkt, an dem die meisten Reisepläne kippen: Wer wegen des Pergamonaltars kommt, sieht ihn nicht, und der Besucherstrom verteilt sich seither auf die übrigen Häuser, unter anderem auf dieses. Zur Insel gehören neben dem Neuen Museum das Alte Museum, die Alte Nationalgalerie und das Bode-Museum, dazu die James-Simon-Galerie als Eingangsgebäude, Das Panorama und PETRI Berlin. Rechnen Sie damit, dass die meisten Häuser um 17 oder 18 Uhr schließen; ein „ganzer Tag auf der Insel“ ist kürzer, als er klingt. Wer die Reihenfolge plant, findet die Abwägung im Museumsinsel-Vergleich.
Einzelticket oder Museumsinsel-Ticket?
Die Entscheidung hängt an zwei Zahlen: wie viele Stunden Sie haben und wie viele Häuser Sie ernsthaft betreten wollen. Das Zeitfenster-Ticket für das Neue Museum enthält den Audioguide in fünf Sprachen, deckt aber nur dieses Haus ab und ist nicht erstattungsfähig — buchen Sie es erst, wenn der Tag steht. Das Museumsinsel-Ticket gilt einen Tag für fünf Häuser, hat den Audioguide nicht dabei und ist ebenfalls nicht erstattungsfähig. Als grobe Linie: unter drei Stunden auf der Insel das Einzelticket, ab zwei ernsthaft geplanten Häusern das Tagesticket. Wer lieber jemanden reden hört, findet die geführten Varianten unter Private Führungen; welche Ticketart wofür taugt, steht unter Eintritt. Preise nennen wir hier bewusst nicht, weil sie sich ändern — den tagesaktuellen Betrag sehen Sie im Buchungsfenster.
Praktisches, das den Besuch entspannter macht
Eingang, Kasse und Garderobe liegen zentral in der James-Simon-Galerie an der Bodestraße, nicht im Museum selbst; Gruppen gehen über den Hof ins untere Foyer, und der Kolonnadenhof-Eingang setzt ein gültiges Ticket voraus. Der Eingang ist rollstuhlgerecht, Audioguides gibt es auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch sowie als Kinderfassung und in Leichter Sprache; für einzelne Ausstellungen werden Tastführungen angeboten. Am leersten ist es werktags direkt zur Öffnung um 10 Uhr und werktags nach 15 Uhr, am Wochenende zwischen 11.30 und 13 Uhr. Und ein Termin, den man sich notieren sollte: Vom 15. bis 17. März 2027 bleibt das Haus wegen Wartung geschlossen. Unter 18 Jahren ist der Eintritt frei — was das für einen Familienbesuch heißt, steht unter Mit Kindern.
Und dann? Das passende Ticket
Wenn Sie nur dieses eine Haus sehen wollen, reicht die Eintrittskarte mit Zeitfenster — Audioguide inklusive, dafür nicht erstattungsfähig. Wollen Sie mehrere Häuser der Insel an einem Tag, ist die Tageskarte die richtige Wahl; was sie abdeckt und was nicht, steht unter Welches Haus auf der Museumsinsel. Wer lieber jemanden erzählen hört, findet die geführten Varianten unter Private Führungen. Alle fünf Angebote nebeneinander: Alle Tickets.
Häufige Fragen
Was ist im Neuen Museum ausgestellt?
Drei Sammlungen teilen sich das Haus: das Ägyptische Museum mit Papyrussammlung, das Museum für Vor- und Frühgeschichte und Teile der Antikensammlung. Die bekanntesten Stücke sind die Büste der Nofretete, der Berliner Goldhut und der sogenannte Schatz des Priamos — die vollständige Liste steht unter Was gibt es zu sehen.
Wie lange sollte ich einplanen?
Für die Highlights 45 Minuten bis anderthalb Stunden, für einen Durchgang durch alle Etagen rund 90 Minuten, für einen gründlichen Besuch drei Stunden und mehr. Mehr dazu unter Wie lange braucht man.
Wo ist der Eingang?
Nicht am Neuen Museum selbst, sondern in der James-Simon-Galerie an der Bodestraße. Dort sind auch Kasse und Garderobe. Anfahrt mit U-Bahn, S-Bahn und Tram: Anfahrt und Eingang.